Wer sich ausgesperrt hat, sollte nicht sofort den erstbesten Schlüsseldienst anrufen, sondern in dieser Reihenfolge vorgehen: prüfen, ob die Tür nur zugefallen oder abgeschlossen ist, einen Ersatzschlüssel suchen, während der Bürozeiten Verwaltung oder Hauswart anrufen, die Notfallnummer der eigenen Versicherung prüfen – und erst dann einen Schlüsseldienst mit Adresse in der Region beauftragen, zu einem vorher vereinbarten Preis. Die ersten Schritte kosten nichts, und sie sind oft schneller als jeder Monteur.
1. Zugefallen oder abgeschlossen?
Für den Preis und das Vorgehen macht das den grössten Unterschied. Ist die Tür nur ins Schloss gefallen, hält sie bloss die Falle. Ein Schlüsseldienst kann sie in vielen Fällen öffnen, ohne den Schliesszylinder zu beschädigen – eine zerstörungsfreie Türöffnung. Ist sie abgeschlossen, hält der Riegel, und bei einem Sicherheitszylinder kann Aufbohren nötig werden. Dann kommt ein neuer Zylinder dazu.
Merken Sie sich das, bevor Sie telefonieren: Ein seriöser Betrieb fragt genau danach, um einen Preis nennen zu können.
Wenn der Schlüssel innen steckt: Dann lässt sich der Zylinder oft auch mit einem Ersatzschlüssel nicht von aussen drehen. Manche Zylinder haben eine sogenannte Not- und Gefahrenfunktion, mit der sich die Tür trotzdem von aussen entsperren lässt. Je nach System braucht es dafür einen besonderen Schlüssel: Bei der Gefahrenschlüsselfunktion von dormakaba etwa genügt laut Hersteller kein Standardschlüssel, sondern nur ein besonders verwalteter und registrierter Not- und Gefahrenschlüssel. Ob Ihr Zylinder eine solche Funktion hat, sieht man ihm nicht an – probieren Sie es mit dem Ersatzschlüssel, fragen Sie die Verwaltung, und sagen Sie dem Schlüsseldienst sonst, dass innen ein Schlüssel steckt.
Wenn jemand in Gefahr ist: Ist ein kleines Kind allein in der Wohnung, eine pflegebedürftige Person ohne Hilfe oder eine Herdplatte eingeschaltet, warten Sie nicht auf einen Schlüsseldienst. Rufen Sie die Polizei unter 117 oder bei Brandgefahr die Feuerwehr unter 118.
2. Ersatzschlüssel suchen
Die Mobiliar rät, zuerst alle Taschen und Kleider nochmals zu durchsuchen. Danach: Wer hat einen Ersatzschlüssel? Partnerin oder Partner, Nachbarn, Eltern, Freunde. Die Stiftung für Konsumentenschutz empfiehlt, Familie, Freunde oder Nachbarn anzufragen, bevor man einen Notdienst ruft – oft erübrigt sich der Einsatz dann ganz.
Prüfen Sie auch, ob es einen anderen Zugang gibt, etwa eine offene Balkontür im Erdgeschoss. «Kassensturz» bemerkte 2015 trocken, manchmal sei ein gekipptes Fenster offen. Klettern Sie aber nicht über Balkone oder Fassaden – ein Sturz ist ein viel grösseres Problem als eine Rechnung.
3. Verwaltung oder Hauswart anrufen
Während der Bürozeiten ist das oft der günstigste Weg. Laut Konsumentenschutz kann die Verwaltung einen Handwerker empfehlen, oder es ist bei ihr sogar ein Ersatzschlüssel hinterlegt. Das gilt besonders in Liegenschaften mit Schliessanlage: Die Verwaltung weiss, welcher Fachbetrieb die Anlage betreut und welche Zylinder eingebaut sind.
Ausserhalb der Bürozeiten lohnt sich ein Blick in den Mietvertrag, auf die Website der Verwaltung oder auf den Aushang im Treppenhaus: Steht dort eine Notfall- oder Pikettnummer, rufen Sie zuerst diese an. Sie kennt den Betrieb, der die Anlage betreut, und kann ihn direkt aufbieten.
4. Versicherung fragen, bevor Sie selbst beauftragen
Viele Versicherer haben eine Notfallnummer und organisieren einen Partnerbetrieb. Das kann sich lohnen: Für Hausratversicherte der Mobiliar sind Türöffnung und Notschloss nach einer Aussperrung über die 24h-HomeAssistance bis 1000 Franken pro Schadenfall gedeckt, ohne Selbstbehalt. Wer selbst einen Schlüsseldienst beauftragt, erhält nach deren Angaben nur bis 500 Franken. Das gilt nur für Kundinnen und Kunden mit der entsprechenden Police; die Regeln anderer Versicherer unterscheiden sich – suchen Sie in Ihrer Police nach einer Notfallnummer. Welche Versicherung bei einem verlorenen Schlüssel zahlt, steht im Ratgeber «Schlüssel verloren».
5. Einen seriösen Schlüsseldienst wählen
Bleibt nur der Schlüsseldienst, entscheidet die Wahl über den Preis. Schweizer Konsumentenmedien haben über Jahre Fälle dokumentiert, in denen überregionale Vermittler mit lokalen Seiten warben, Monteure von weit her schickten und erst nach der Arbeit einen Preis nannten. Worauf Sie achten sollten:
- Betrieb aus der Region: mit echter Adresse und normaler Telefonnummer. Die Konsumentenschützer raten von 0900-Nummern ab. Im Verzeichnis finden Sie Schlüsseldienste mit geprüfter Adresse, sortiert nach Ort, sowie alle Schlosser nach Standort.
- Polizei fragen: Fragen Sie beim Polizeiposten in Ihrer Nähe, ob er eine Liste von Schlüsseldiensten aus der Region führt.
- Problem genau schildern: Zugefallen oder abgeschlossen? Welcher Zylinder? Steckt ein Schlüssel?
- Preis vorher vereinbaren: Verlangen Sie eine Offerte oder einen Fixpreis, der Material- und Wegkosten einschliesst. Lassen Sie ihn sich per SMS oder E-Mail bestätigen.
- Nur ein Monteur: Um eine Tür zu öffnen, genügt eine Person; eine zweite kostet mit.
Vor Ort
Drei Dinge zählen: Der Monteur verlangt einen Ausweis, bevor er eine verriegelte Tür öffnet. Er wählt den schonendsten Weg und bohrt erst, wenn es nicht anders geht – laut Allianz stellt ein verlässlicher Betrieb dann einen Leihzylinder zur Verfügung. Und am Schluss steht eine detaillierte Rechnung; wurde nichts anderes vereinbart, dürfen Sie laut Konsumentenschutz auf Zahlung per Rechnung bestehen. Woran Sie unseriöse Anbieter erkennen und was bei einer überhöhten Rechnung hilft, steht im Ratgeber «Schlüsseldienst-Abzocke».
Was kostet eine Türöffnung?
Die Mobiliar beziffert einen Einsatz ohne Versicherung je nach Ort, Wochentag und Tageszeit auf etwa 300 bis 500 Franken; teuer wird es vor allem, wenn ein Zylinder ersetzt werden muss. Richtwerte, veröffentlichte Preislisten und Zuschläge stehen im Ratgeber «Was kostet ein Schlüsseldienst in der Schweiz?».
Damit es nicht wieder passiert
- Ersatzschlüssel deponieren: bei Nachbarn oder Freunden in der Nähe. Der Konsumentenschutz rät, sich die Übergabe schriftlich bestätigen zu lassen. Die Mobiliar nennt auch einen Schlüsseltresor als Möglichkeit.
- Nummer notieren: Suchen Sie die Nummer eines seriösen Schlüsseldienstes aus Ihrer Region heraus, solange kein Notfall ist, und speichern Sie sie im Handy und auf einem Zettel im Portemonnaie.
- Keine Adresse am Schlüsselbund: Allianz und Mobiliar raten davon ab, Namen oder Adresse auf Schlüssel zu schreiben. Geht der Bund verloren, kann ihn niemand Ihrer Wohnung zuordnen.
- Elektronisches Schloss erwägen: Ein Türschloss mit Code oder Badge kann einen Schlüssel ersetzen. In der Mietwohnung braucht es dafür die Zustimmung der Verwaltung; mehr dazu bei den elektronischen Türschlössern.